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Make für IT-Freelancer: 5 Automatisierungen

Make liefert visuelle Automatisierung mit viel Kontrolle. Hier sind Einsatzfelder, Grenzen und eine klare Einordnung für Solo-Freelancer.

Praxisnah Checkliste

Einordnung: Was Make ist und warum ich es mir ansehe

Vor zwei Jahren stand ich vor einem Problem: Mein Monatsabschluss dauerte jedes Mal drei Stunden. Belege aus fünf verschiedenen Quellen zusammensuchen, in Lexware Office einpflegen, Zeiten aus dem Tracking exportieren, Rechnung vorbereiten. Alles manuell, alles fehleranfällig.

Zapier hatte ich ausprobiert - zu simpel für meine Abläufe. Eigene Skripte waren eine Option, aber ich wollte nicht jede Änderung selbst programmieren. Also landete ich bei Make (früher Integromat): Eine visuelle Automatisierungsplattform, die mehr Kontrolle über Datenflüsse bietet als die meisten Alternativen.

Heute erledigt Make meinen Monatsabschluss in 20 Minuten. In diesem Review zeige ich, was das Tool kann, wo die Grenzen liegen und für wen es sich lohnt.

Transparenzhinweis: In diesem Review sind aktuell keine Affiliate‑Links enthalten.

Für wen Make gut passt

Make passt für Solo-Freelancer, die regelmäßig mit mehreren Tools arbeiten und wiederkehrende Abläufe sauber verbinden wollen. Besonders gut funktioniert es, wenn du etwas mehr Logik brauchst als „Wenn X, dann Y“, z.B. Verzweigungen, Filter, Datenanreicherung oder mehrstufige Übergaben.

Meine Kriterien für die Bewertung

Ich bewerte Automatisierungs-Tools nach Punkten, die im Alltag wirklich relevant sind:

  • Kontrolle über Logik: Filter, Verzweigungen, klare Reihenfolge.
  • Transparenz: Was ist gelaufen, was ist fehlgeschlagen, wo liegt der Fehler?
  • Kostensteuerung: Planbarkeit der Ausführungen und Limit-Logik.
  • Wartbarkeit: Lässt sich der Ablauf dokumentieren und sauber versionieren?
  • Teamfähigkeit: Wenn der Kunde mehrere Personen im Workflow braucht.

5 Automatisierungen, die ich in Make bauen würde

1. Kundenanfrage -> CRM -> Slack

Ablauf: Kontaktformular (Webflow) → Make prüft auf Spam-Indikatoren → Eintrag in Notion-CRM mit Lead-Status → Slack-Nachricht an mich mit Name, Firma und Anfrage-Text.

Warum Make: Der Spam-Filter braucht bedingte Logik (enthält "crypto" oder "SEO" → ignorieren). Das kann Zapier nicht so elegant.

2. Monatsabschluss-Checkliste

Ablauf: Am 1. des Monats → Make erstellt 8 Tasks in Todoist (Belege prüfen, USt-VA vorbereiten, etc.) → setzt Fälligkeiten → schickt mir eine Zusammenfassung per E-Mail.

Warum Make: Die Tasks haben unterschiedliche Fälligkeiten (Tag 1, Tag 5, Tag 10). Mit dem Router kann ich das in einem Flow abbilden.

3. Zeiterfassung -> Rechnungsvorbereitung

Ablauf: Toggl-Export am Monatsende → Make aggregiert Stunden pro Projekt → berechnet Summe × Tagessatz → erstellt Entwurf in Google Docs mit allen Positionen.

Warum Make: Die Aggregation und Berechnung passiert direkt im Flow. Kein manuelles Excel-Gefummel mehr.

Hinweis: Für die Belegerfassung und den API-Upload zu Lexware Office nutze ich ein separates Bash-Script, das ich im Monatsabschluss-Workflow beschreibe. Make übernimmt die Orchestrierung und Rechnungsvorbereitung, nicht den Beleg-Upload selbst.

4. Kundenstatus-Update

Ablauf: Jeden Freitag 14:00 → Make holt offene Tickets aus Linear → holt abgeschlossene Tasks der Woche → baut eine Markdown-Zusammenfassung → verschickt per E-Mail an den Kunden.

Warum Make: Daten aus zwei Quellen zusammenführen und formatieren - genau dafür ist der visuelle Builder gemacht.

5. Incident-Workflow

Ablauf: Uptime Kuma meldet Ausfall → Webhook an Make → Ticket in Linear mit Severity-Label → Slack-Alert in #incidents → nach 30 Minuten ohne Resolution: SMS an mich.

Warum Make: Die zeitverzögerte Eskalation (30 Min. warten, dann SMS) ist mit dem Scheduler-Modul sauber umsetzbar.

Wenn du den Rahmen hinter solchen Automatisierungen suchst, findest du ihn im Grundlagenartikel. Workflow-Automatisierung für Solo-Freelancer

Stärken, die im Alltag wirklich helfen

Make ist stark, wenn ein Workflow mehr als zwei Schritte hat. Die visuelle Darstellung hilft, komplexe Abläufe klar zu sehen und strukturiert zu bauen.

Konkretes Beispiel: Mein Rechnungs-Workflow hat 7 Module: Toggl-API → Filter (nur abrechenbare Einträge) → Aggregator (gruppiert nach Projekt) → Router (unterscheidet Festpreis vs. Tagessatz) → zwei verschiedene Berechnungslogiken → Google Docs-Output. In Zapier wäre das ein Albtraum aus verschachtelten Zaps. In Make sehe ich den gesamten Flow auf einen Blick.

Weitere Stärken:

  • Router und Filter sind im Kernmodell enthalten - keine Premium-Features
  • Error Handling pro Modul konfigurierbar (ignorieren, stoppen, alternativer Pfad)
  • Execution History zeigt jeden Datenpunkt, der durch den Flow ging

Grenzen, die man kennen sollte

Make bringt schnell Komplexität mit. Das habe ich selbst erlebt: Ein Workflow, der ursprünglich 4 Module hatte, wuchs über Monate auf 15 Module an. Irgendwann wusste ich nicht mehr, warum bestimmte Filter existierten. Das Debugging wurde zur Detektivarbeit.

Meine Learnings:

  • Komplexität: Ab 10+ Modulen wird es unübersichtlich. Ich splitte jetzt große Flows in kleinere Szenarien, die sich gegenseitig per Webhook aufrufen.
  • Kosten: Ein Szenario mit 8 Modulen, das 100x am Tag läuft = 800 Credits/Tag = 24.000 Credits/Monat. Das sprengt den Free-Plan schnell. Ich prüfe jetzt vor dem Bau, wie oft ein Flow realistisch laufen wird.
  • Vendor Lock-in: Szenarien lassen sich nur als Make-Blueprint exportieren (nicht portabel). Wenn Make die Preise erhöht, habe ich ein Problem.

Deshalb braucht es klare Regeln: Dokumentation in einem separaten Markdown-File, regelmäßige Reviews und ein Auge auf die Credit-Nutzung.

Preis/Leistung und Einordnung (Stand: Januar 2026)

Make rechnet nach Credits ab: Jede Modul‑Aktion in einem Szenario zählt als ein Credit. Das Free‑Paket enthält 1.000 Credits pro Monat, einen visuellen Workflow‑Builder, 3.000+ Apps, Router und Filter sowie einen 15‑Minuten‑Takt für geplante Ausführungen. Die bezahlten Pläne starten bei Core (9 USD/Monat für 10k Credits) und gehen über Pro (16 USD), Teams (29 USD) bis zu Enterprise mit individueller Preisgestaltung. Core bietet u.a. unbegrenzte aktive Szenarien, minutengenaue Planung, höhere Datenlimits und API‑Zugriff; Pro ergänzt Priorisierung, Custom Variables und eine Volltextsuche in den Ausführungslogs; Teams bringt Rollen und Templates für Zusammenarbeit.

Für Solo‑Freelancer zählt vor allem der Kreditverbrauch pro Prozess. Wer 2–3 stabile Abläufe hat und sauber limitiert, bekommt viel Kontrolle für wenig Aufwand. Wenn du hohe Event‑Volumina hast, lohnt sich eine genaue Kalkulation.

Alternativen, je nach Bedarf

  • Zapier: gut für sehr einfache Automatisierungen und schnelleres Onboarding.
  • n8n: spannend, wenn du Self-Hosting willst.
  • Pipedream: interessant für code-nahe Workflows.
  • Eigene Scripte + systemd: falls der Prozess sehr schlank bleibt.

Einen direkten Vergleich mit Kontext und Entscheidungshilfe baue ich separat auf: Make vs. Alternativen: Automatisierungs-Tools im Vergleich

Kurzfazit

Make ist ein starkes Tool, wenn du mehr Logik brauchst als einfache Trigger‑Aktionen. Für IT‑Freelancer, die Prozesse kontrolliert automatisieren wollen, ist es eine sehr solide Wahl, solange du die Komplexität bewusst managst.

FAQ

Ist Make für Einsteiger geeignet? Ja, wenn du mit einem klaren Prozess startest. Ohne Prozess wirkt das Tool schnell komplex.

Wie schätze ich meinen Credit‑Verbrauch? Ich zähle grob die Module pro Ablauf und multipliziere mit der erwarteten Anzahl der Runs. Das gibt schnell ein gutes Gefühl für die Größenordnung.

Wann lohnt sich ein Upgrade auf Pro oder Teams? Wenn du Debugging‑Komfort, Priorisierung oder Team‑Funktionen brauchst, oder wenn mehrere Personen an Szenarien arbeiten.

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